Salzwiesen unter Druck – wie der Meeresspiegelanstieg unsere Küsten verändert
Salzwiesen – was ist das?
Moin, ich bin Clara, Kieler Geographin mit Vorliebe für Meeresthemen und habe mich in den letzten Monaten im Rahmen meiner Abschlussarbeit intensiv mit dem Küstenökosystem Salzwiese beschäftigt.
Salzwiesen sind dynamische, vielfältige Ökosysteme, die im Übergangsbereich zwischen Land und Meer zu finden sind und sowohl der Bevölkerung als auch der Umwelt viele Vorteile bieten. Sie entstehen unter regelmäßiger Überflutung und werden von salztoleranten Pflanzen, den sogenannten Halophyten, besiedelt. Das Ökosystem erhält sich durch ein Zusammenspiel von Vegetation, Sedimentation und Erosion, wobei Wurzeln und Pflanzen die Marschplattform stabilisieren. Dieser Prozess führt zur Anreicherung von Sedimenten und organischer Substanz, wodurch die Marschplattform mit schwankenden lokalen Meeresspiegeln Schritt halten kann.
Salzwiesen sind auf allen Kontinenten bis auf die Antarktis vertreten. In Deutschland bietet das Wattenmeer seewärts der Nordseedeiche Lebensraum für Salzwiesen, während sie in der Ostsee in geschützten Buchten wie etwa den vorpommerschen Bodden oder im Naturschutzgebiet Geltinger Birk zu finden sind.
Das Ökosystem und seine Dienstleistungen
Salzwiesen sind artenreiche Ökosysteme, die zahlreichen Tierarten Lebensraum, Aufzuchtgebiete und Nahrungsquellen bieten. Damit leisten sie zudem einen wertvollen Beitrag für die ansässige Bevölkerung und die Fischerei. Als Pufferzone zwischen Land und Meer bilden sie einen natürlichen Schutzmechanismus gegenüber Küstenerosion und Hochwasser und wirken gleichzeitig dem Meeresspiegelanstieg entgegen, indem sie die Kraft von Wellen und Stürmen abfangen. Darüber hinaus sind Salzwiesen in der Lage, verschiedene Bestandteile des Ökosystems zu filtern und so die Wasserqualität sowie den Nährstoffkreislauf zu verbessern.
Ökosystemdienstleistung Blue Carbon
Gefährdung durch den Meeresspiegelanstieg
Küstenbebauung, hydrologische Eingriffe und weitere menschengemachte Einflüsse haben bereits zum Verlust vieler Salzwiesen geführt. Auch der Meeresspiegelanstieg stellt eine Bedrohung dar, da sich Salzwiesen in einem spezifischen Höhenbereich entlang der Küste ausbilden. Steigt der Meeresspiegel, kommt es zu häufigeren und längeren Überflutungen, was wiederum den Salzgehalt in Küstengebieten erhöht. Pflanzen tolerieren diese Veränderungen nur begrenzt, daher muss die Salzwiese entweder im gleichen Tempo wachsen, wie der Meeresspiegel ansteigt, oder dieses übersteigen. Andernfalls kommt es zu einem Übergang von Hoch- zu Niedermarschvegetation, bis die Vegetation schließlich ganz abstirbt und die Salzwiese in offene Wasserflächen oder Wattgebiete umgewandelt wird. Ohne Vegetation werden die Sedimente destabilisiert, wodurch es zu Erosion kommt. Dadurch wird der in Biomasse und Sedimenten gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt und kommt mit Sauerstoff in Kontakt, was zur seiner Mineralisierung in CO2 und damit zu hohen Emissionen von Treibhausgasen führt.
Meeresspiegelanstieg – Verlust oder Gewinn?
Ob die Salzwiese bei ansteigenden Meeresspiegeln bestehen kann, hängt von lokalen Werten und Faktoren wie der Sedimentverfügbarkeit ab. Doch auch wenn diese zu gering ist, können öko-geomorphologische Rückkopplungsprozesse Salzwiesen dabei helfen, mit dem beschleunigten Meeresspiegelanstieg Schritt zu halten. So kann beispielsweise eine mäßige Zunahme der Überflutungsdauer die Sedimentablagerung und die Pflanzenproduktivität steigern, was das vertikale Wachstum fördert und die Erosion verringert.
Die Salzwiese ist dadurch in der Lage, an Höhe zu gewinnen und bei steigendem Meeresspiegeln landwärts wandern, wodurch eine vollständige Überflutung vermieden wird. Eine solche Verlagerung birgt auch das Potential, den globalen Verlust von Salzwiesen auszugleichen. Dies setzt jedoch voraus, dass genügend Landfläche für eine Verlagerung ins Landesinnere zur Verfügung steht, sodass die Salzwiesenpflanzen neues Terrain besiedeln konnten.
Heute allerdings sind solche Flächen weltweit durch menschliche Eingriffe und Küstenbebauung stark eingeschränkt, sodass viele Salzwiesen nicht landeinwärts wandern können. Dadurch kommt es zu dem sogenannten „Coastal-Squeeze“-Effekt, wobei das Ökosystem am meerseitigen Rand untergeht, sich aber auch nicht ins Landesinnere bewegen kann und damit stetig eingeengt wird. Außerdem ist in vielen Gebieten die Rate des Meeresspiegelanstiegs zu hoch, um durch vertikales Wachstum ausgeglichen zu werden.
Während Prognosen zum künftigen Verlust von Salzwiesen stark variieren, ist zu erwarten, dass die prognostizierten Raten des Meeresspiegelanstiegs zum Verlust von 60 bis 91 % der Salzwiesenflächen führen werden.
Durch solche Störungen gehen die wichtige Ökosystemdienstleistungen verloren, inklusive ihre essentielle Funktion als Kohlenstoffsenke. Anstatt Kohlenstoff zu speichern, wird dieser in großen Mengen in die Atmosphäre freigesetzt. Die „Blue Carbon Ecosystems“ zu schützen und erhalten ist somit ein wichtiger Bestandteil vieler Klimastrategien.
Selbst aktiv werden!
Du möchtest mehr für Küsten- und Klimaschutz tun? Seegraswiesen sind ebenso vielfältige „Blue Carbon Ecosystems“, die in der Ostsee von Fischerei, Eutrophierung und steigenden Wassertemperaturen bedroht werden.
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Text: Clara Barbara Botschatzke; Fotos: Petra Böge und pixabay.com




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