Seegras unter Wasser

Diese Wiesen sind ein wahrer Goldschatz für unsere Küsten: Sie festigen den sandigen Untergrund und sorgen dafür, dass Wellen ausgebremst werden. Somit schützt Seegras unsere Küsten vor Sandabtragungen und Erosion. Die Wiesen bieten Nahrung und Lebensraum für Fische, Krebse und Muscheln und unterstützen als „Kinderstube der Meere“ den Erhalt der Biodiversität. Zudem betreibt Seegras Fotosynthese, sodass die Küstengewässer zusätzlich mit Sauerstoff versorgt werden und dem Wasser das Treibhausgas CO2 entzogen wird.

Wer in der Nord- oder Ostsee unter Wasser taucht, entdeckt sie schnell: grüne, lange Seegrashalme, die sich als dichter Dschungel in den Wellen der seichten Küstengewässer wiegen. Mittendrin lassen sich mit etwas Glück Fischlarven, Krebse, Muscheln und Schnecken finden. Denn Seegraswiesen sind die Grundlage für ein ganzes Ökosystem und bieten Platz sowie Nahrung für viele Tiere und Pflanzen – und sind in dieser Hinsicht mit Mangrovenwäldern oder Korallenriffen vergleichbar. In tropischen Breiten ernähren sich Seekühe oder die grüne Meeresschildkröte direkt von Seegras und auch hierzulande finden Zugvögel wie Ringelgänse und Pfeifenten ihre Nahrung im Ökosystem Seegraswiese¹. Allerdings ernähren sich weitaus mehr Meereslebewesen von dem, was auf den Blättern gedeiht, beispielsweise von winzigen Algen.

Hingegen vieler Falschannahmen handelt es sich bei Seegras um eine tatsächliche Pflanze – keine Alge! Sie ist mit luftgefüllten Kanälen ausgestattet, die ihr den notwendigen Auftrieb verleihen, um senkrecht in der Wassersäule zu stehen. Dadurch erhält die Pflanze mehr Licht, um mithilfe von Photosynthese Energie zu produzieren. Bei diesem Prozess setzt sie Sauerstoff frei und speichert gigantische Mengen an Kohlenstoff, die sowohl als Biomasse als auch im Meeresboden gebunden werden. Ein Quadratkilometer Seegraswiese fixiert auf diese Weise ca. 35 mal mehr CO2 als die gleiche Fläche Regenwald². Die dichten Wiesen halten zudem schwebende Partikel aus dem Wasser zurück, filtrieren Mikroben und recyceln Nährstoffe – auf diese Art sorgen Seegraswiesen für eine bessere Wasserqualität in den Küstengewässern.

Ausgedehnte Seegraswiesen bieten auch einen weiteren praktischen Nutzen. Als natürlicher Wellenbrecher halten sie Sandpartikel zurück und wirken der Strömung entgegen³ – so schützen sie die Küsten vor Sandabtragungen und anderen Erosionen.